by felicitevanille | 11:31 pm

Warum es sich lohnt, zu überleben und zu überdenken! Besser noch – zu überfühlen.

 

An Weihnachten geschehen die meisten Selbstmorde. Das ist empirisch belegt. Alle reden immer vom Fest der Liebe… Aber irgendwie kaufen doch alle Geschenke. Und Essen. Und Bäume. Warum denn um Himmels willen, wenn es nur um Liebe geht? Weil Liebe durch den Magen geht? Und durch den Geldbeutel? Und warum der Baum? Wieso in aller Herrgottsnamen bringen sich an diesem Tag Menschen um? Fragen über Fragen zu diesem merkwürdigen Fest, an dem sich auch verfeindete Staaten Waffenstillstand gönnen. Ist ja Weihnachten?

 

Fakt ist: Für viele Menschen ist das kein schöner Tag. Sie sind allein. Die Steigerung von allein ist bekanntlich alleiner. Danach kommt nur noch alleinerziehend. Warum ist das so traurig, wenn so viele Menschen funkelnde Lichterketten durch die Nacht spannen?  Also nicht für alle, aber…

 

Ich habe die Illusion, dass gerade was Weihnachten betrifft, früher alles besser war. Nicht wegen der Farbanimation, sondern einfach wegen der Herzlichkeit. Ich liebe es, wenn Menschen nicht nur freundlich sondern sogar nachsichtig sind. An Weihnachten gibt sogar der dem Bettler, der eigentlich nie was gibt. Weil Weihnachten ist, soll keiner hungern. oder gar frieren. Nach dem Krieg bekamen die Kinder bestenfalls ein Spielzeug. Ansonsten gab es nützliches. Pullover, Socken… Uninteressant, wie man heutzutage findet. Langweilig. Aber hey, alle wurden satt. Und das war schön. Bestimmt. Dies kann man heute wohl kaum noch schätzen im Zeitalter der Völlerei. Essen muss man rationieren, sonst wird man zu dick. Die Feiertage: Das große Fressen! Mit dem besten Bratenrezept gibt es auch gleich die optimale Christmas-Diät. Wir wollen ja nicht unförmig werden, nicht wahr! Und ein Pullover zu Weihnachten? Wie unkreativ. Überhaupt… Dieses Schenken… Schenken wir uns was? Eine große Frage! Denn wenn man reich beschenkt wird, muss man auch ebenso zurückschenken. So will es das ungeschriebene Weihnachtsgesetz! Sonst guckt man ganz schön blöd aus der Wäsche, wenn man nun kein Präsent zum Geschenketausch parat hat. Und dafür rennen wir. Wir alle. Einfach so, drauf los Richtung Innenstadt. Beim Christmasshopping noch schnell einen Glühwein hintergezischt und weiter läufts, der Run in der Masse. Schnell muss es gehen. Günstig soll es sein. Aber trotzdem hervorragend und von großem Wert. Sind die Geschenke beisammen, gilt es die Feier zu organisieren. Einen Baum braucht man. Wichtig, weil: Ist ja Weihnachten. Und Essen. Viel Nahrung, meist totes Fleisch. Weil: Ist ja Weihnachten. Alle sollen satt werden und es muss was übrig bleiben. Nicht, weil man sonst später hungern würde, aber wenn nichts übrig bleibt,sind vielleicht nicht alle satt geworden.

 

Tatsächlich sieht es jedoch so aus im Jahre 2016: Jeder hat alles, alle können sich alles kaufen. Geschenke sind Ballast. Alles, was über ein kurzes Schaumbad hinausgeht, muss umsorgt, aufgestellt und abgestaubt werden, denn alles was wir wirklich brauchen, besitzen wir bereits. Wir essen nicht, weil wir Hunger haben, sondern, weil es Zeit ist. Weil es schon wieder etwas gibt. Wir schenken, weil man das so macht. Nicht, weil ein anderer das Präsent wirklich brauchen kann, denn wir haben alles, was wir brauchen und darüber hinaus auch noch viel zu viel. Wir trinken, nicht weil wir Durst haben, sondern weil wir herunterschlucken, was wir eigentlich sagen wollen. Aber die Stimmung wollen wir nicht verderben. Nicht an Weihnachten und nicht zu einem anderen Zeitpunkt im Jahr.

 

Heilig Abend und die Vorweihnachtszeit sind darauf konzipiert, dass man ein wenig runter fährt, sich besinnt, auf das, was wirklich wichtig ist. Familie, Freunde, Liebe und Freude. Aber was macht Mensch 2.0? Saufen, kaufen, fressen. Das tun wir. Zwischendrin. Zwischen den ganzen Rennereien. Zwischen den Rennereien, die wir uns auch schenken könnten. Schenken in Form von Zeit. Zeit mit dem Anderen. Ein Buch zwischen Kerzen mit dem Kind. Ein Gespräch unter Freunden, die man lange schon nicht mehr kennt, die aber dennoch was zu sagen haben, nur leider verlor man sich… Irgendwo auf der Rennstrecke. Nicht pauken für den Klausurmarathon. Nicht rennen, für die Deadline im Job. Einfach nur mal flanieren. Flanieren mit den Lieben. Die Lieben, die man auserkor und diejenigen, die zufällig hineinplumpsten in das Leben, das man wählte zu leben und die man trotzdem lieb gewann.
Ich gehe soweit, dass ich behaupte: Wir leben im Jahr 2016 in einem reichen Land. Wir können auch 2017 flanieren. Und zwar das ganze Jahr. So, wie wir es auch schon 2016 taten (falls Du es verpasst hast, komm 2017 einfach mit ;)) Und wenn Weihnachten ist? Dann flanieren wir halt in die Kindermette und danach entspannen wir uns unterm Baum, oder einfach auf der Couch. Mit den Liebsten. Und nein, dafür braucht es kein Familienoberhaupt. Dafür brauchts nur Liebe. Und Freude. Das Bling-Bling ist dabei Geschmackssache. Ebenso, wie das Essen. Pass auf Dich auf und Verrenn Dich nicht!

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