by felicitevanille | 4:10 am

„Was macht ihr in Indien? Was ist geplant?“ Nix. Weil ich es immer lieber mag, wenn nichts geplant ist. „Wann kommt ihr wieder?“ Keine Ahnung. „Aber du musst doch nen Rückflug gebucht haben!“ Nein.

Als wir aufbrachen, flogen wir tatsächlich fast gänzlich ohne Plan los. Mit vielen Ideen im Gepäck, wo man so herumstreunen könnte. Lediglich Mumbai und die erste Woche in Arambol waren komplett gebucht. Alles andere sollte die Zeit zeigen. Warum?

Indien ist so bezaubernd wie häßlich, das war mir von vornherein klar. In Indien kannst Du an einem Tag mehrfach zwischen Himmel und Hölle flanieren, ja, es kann sich stündlich, wenn nicht gar im Minutentakt ändern. Was also bringt es mir, wenn ich tatsächlich 8 Wochen gezwungen bin, mir das reinzuziehen, wenn es mir doch unter Umständen schon nach einer Woche reicht und ich ganz dringend woanders hin will. Sollte ich dann wirklich 800 Euro zum Fenster rausschmeißen? Lieber nicht. Also One-Way und möglicherweise von Colombo oder sonstwo sonstwann zurück.

Der nächste Punkt ist, das ich wenig Wert auf Sightseeing lege. Die einzigsten Sehenswürdigkeiten, die mich nachhaltig bereichert haben, waren die Werke Gaudis in Barcelona. Alles andere – sorry. Ich war da, habe es gesehen, aber… habe mich danach auch nicht anders gefühlt. Wieso sollte ich also nun mein Kind im Eiltempo durch ein Land ziehen, in dem doch eh alles viel langsamer geht. Vom Taj Mahal über Rajastan, Goa, Kerala, Pondicherry, Rishikesh nach Dharamsala? Geht bestimmt, aber darauf habe ich nun wirklich keinen Bock. Und haben wir dann wirklich etwas erlebt oder nur viel gesehen? Ich bin mir da nicht sicher.

Wir waren nun also in Goa und ich habe gemerkt, dass Herunterfahren und Abschalten auch ein Prozess ist, der Zeit braucht. Das geht in Arambol sehr gut. Nach 14 Tagen wollte ich aber langsam weiter. Ich wollte doch nach Indien, nicht nur nach Goa. Also buchten wir fix Gokarna, weil das näher an Hampi liegt, was eigentlich definitiv besucht werden sollte – es sei denn, die lange Fahrt dorthin wäre uns doch zu beschwerlich. Man weiß ja nie, worauf man letztenendes doch Bock hat, wenn man mal wo angekommen ist. Danach? Standen zwei Routen zur Debatte. Es sollte also von Gokarna nach Hampi gehen und dannach entweder nach Kerala in die Backwaters oder über Puttaparthi und die Eastern Ghats nach Mahabalipuram. Die Entscheidung wollten wir in Gokarna treffen.

Allerdings könnte man ja auch von Gokarna direkt nach Kerala. Ohne Hampi. Denn die Fahrt ist wirklich für jemanden, der zwei Stunden Zugfahrt schon lästig findet, mit ihren zehn Stunden sehr abtörnend. Sleeper hin oder her. Außerdem wurde mir von allen Menschen, die derartige Strecken zurückgelegt hatten berichtet, dass sie das nur unter Einfluß von sonstigen Substanzen geschafft haben. Opium auf einer Zugfahrt mit Kind erscheint selbst mir ein wenig zu gewagt…

Während ich noch in Arambol meinem Magen-Darm-Trauma erlag, stellte ich fest, als das Fieberthermometer beunruhigendes zu vermelden hatte, dass es irgendwie doch ganz beruhigend ist, in der Nähe der Zivilisation zu sein, sprich ein ordentliches Krankenhaus und ggf. auch einen Flughafen in der Umgebung zu haben. Hätten wir das in Puttaparthi auch?

Täglich fragte ich mein Kind, für welche Route er heute ist. Die Route von West nach Ost lag klar vorne. Mir erschien sie auch sehr spannend. Und ein wenig aufgeregt stellte ich mir den weiteren Verlauf unserer Reise vor. Fernab der Zivilisation ohne WiFi und… Tabak, Klopapier, Fleisch und Alkohol. Aber Indien. Und zwar volle Breitseite. War ja eigentlich angestrebt.

Allerdings hätte ich am Ende unserer Reise doch gerne noch eine Woche Strand. Und das bitteschön möglichst unbeschwert. Im Bikini. Jeder, der schon mal in Indien war, weiß, dass die indischen Frauen komplett bekleidet ins Wasser gehen. Wer das Verhalten der indischen Männer an Bikinstränden von Goa beobachtet hat, wird sich definitiv nicht die Kleider vom Leib reißen, wenn die Bikiniträger nicht in der Überzahl sind. Hätten wir das im Osten des Landes auch? Oder wäre das wieder ein Selfie-Spießroutenlauf?

Und was ist mit den Backwaters? Die sollen doch wunderschöns sein. Und in Kerala gibt es nachgewiesener Maßen auch sehr schöne, Touristinnen akzeptierende Badestrände… Hätten wir was verpasst, wenn wir das nicht erlebt hätten? Wäre das nicht auch sehr spannend?

Überdies hatten wir auch eine Einladung nach Palolem, zur Urlaubsfreundin meines Sohnes, was mir persönlich ja eigentlich gar nicht in den Kram passte, denn ich wollte nun endlich raus aus Goa und nach Indien. Aber wollte ich nicht auch einfach nur eine schöne, entspannte Zeit? Hätten wir die in Palolem nicht eher, als on the road? Aber eine wirkliche Option schien dies nicht zu sein.

Erstmal wieder Koffer packen und weiter, nach Gokarna. Mit dem Zug. Der übrigens eine Stunde Verspätung hatte. Und alle nahmens ganz entspannt. Wenn wir erst dort wären, würden wir schon weitersehen. Erstmal weg aus Goa.

Was erwartete uns Gokarna? Ein wunderschönes Cottage inmitten eines Yoga Ressorts zwischen Gokarna und Kuddle Beach. Und Ruhe. Viel Ruhe. Die Menschen in Gokarna sagen Namaste und nicht Hello. Und die Preise sind bedeutend niedriger, als in Goa. Es gibt viel weniger Menschen hier und alles ist irgendwie entspannter. Hier würden wir schon eine Entscheidung treffen können. Wir haben sie bereits getroffen. Welche? Beim nächsten Mal Ihr Lieben!

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