by felicitevanille | 7:07 pm

Mobbing im Kindergarten

Was ist passiert in den letzten sechs Monaten? Voller Optimismus, tiefenentspannt und überaus zuversichtlich kamen wir aus Indien zurück. Ich war überzeugt, dass es definitiv mehr brauchen würde, uns aus der Bahn zu werfen. Und ich habe mehr bekommen. Aber von Anfang an…

Da kamen wir zurück aus Indien. Während ich der Überzeugung war, dass mein Kind aus Heimweh dringend wieder nach München wollte, war ich doch ein wenig irritiert, als er nach der ersten Woche im Kindergarten nicht mehr hin wollte.

Als Randbemerkung sei erwähnt, dass er erst im September in diese Einrichtung gewechselt war, da wir nach 5 Jahren der Suche endlich eine Wohnung gefunden hatten, die groß genug für uns und unseren Kram war. Leider weit entfernt, vom alten Kindergarten. Der Start war gut, aber seit meiner Bekanntgabe, dass wir im Winter wohl in der Wärme sein werden, war irgendwie der Wurm drin. Von der Vorschulfahrt, die im März stattfand, wurde er von vornherein ausgeschlossen, da man ihn nur schwer innerhalb von drei Monaten in die Vorschulgruppe integrieren könne, was aus pädagogischer Sicht Bullshit ist, da jedes Kind innerhalb kürzester Zeit in jede Gruppierung integriert werden kann, wenn man über das nötige Know-How und die Motivation verfügt. Zumindest von 0-9 kann man das mit relativ einfachen Methoden. Und glaubt mir, nach 12 Jahren als Erzieherin weiß ich, wovon ich spreche.

Aber nun zurück zu den ersten Wochen nach Indien. Mein Kind wollte also nicht mehr in den vermissten Kindergarten. Sein Freund war krank und “die Anderen ärgern mich immer”. Es war Mitte Februar. Es fanden Tür und Angel Gespräche statt, in denen von Konflikten die Rede war, die man angeblich geklärt hatte. Mir kommt jetzt noch die Galle hoch, wenn ich daran denke… Anfang März fand dann ein Entwicklungsgespräch statt, dass gehörig Licht ins Dunkel brachte. Von Entwicklungsverzögerung war die Rede. Davon, dass mein Kind unmöglich in eine Regelschule gehen könnte, da er überhaupt nicht schulreif sei. Die einzigste Fertigkeit, der er mächtig sei, wäre Fußballspielen. Darüber könne man sich sogar mit ihm unterhalten.

Sicher habe ich versucht, einen Dialog herzustellen. Als der Erzieher dann aber laut wurde, mir ins Wort fiel und mit der Hand auf den Tisch schlug, um den Förderbedarf meines Kindes auf diese Weise zu verdeutlichen, hielt ich es mit der Diplomatie meiner Oma: Nicken und lächeln.

Die Art und Weise, wie mir die angeblichen Defizite meines Kindes übermittelt wurden, war definitiv sehr aufschlussreich welches Bild von meinem Kind beim Personal diesen Hauses vorhanden war. Mittlerweile ist ja auch empirisch belegt, dass Mobbing in dieser Altersstufe von den Erwachsenen vorgelebt wird. Kurzfristig ausschließen, auslachen – ja, aber nicht konsequent immer den gleichen alleine auf dem Kieker zu haben. Dazu brauchen sie Unterstützung. Und Bestärkung. Aber, wie mir in diesem Gespräch bewusst wurde, bekamen sie alle Unterstützung, die sie für unsoziales Verhalten brauchten. Bei einer derartigen Haltung war es den anderen Kindern nur schwer möglich, meinen Sohn zu akzeptieren. Wer dazu genaueres wissen möchte – bitte hier nachlesen.

Nach diesem Gespräch kam ich das erste Mal auf die Idee, ihn einfach abzumelden. Aber eine gute Freundin riet mir dazu, ein ärztliches Attest zu holen, da die Diagnosen des Erziehers definitiv äußerst haltlos und willkürlich waren, was übrigens nicht nur meine Meinung und die meiner Freunde und Familie ist – nein, auch alle Erzieher aus den vorherigen Einrichtungen einschließlich der Kinderärztin, der Lehrkraft aus dem Vorkurs und der Ergotherapeutin teilen meine Meinung. Und nein, ich sehe nicht besonders furchterregend aus und habe keinen Baseballschläger.

Mit einer derartigen Bescheinigung suchte ich jedenfalls das Gespräch mit der Leitung des Hauses. Diese jedoch nahm die Diagnose der Ärztin nicht ernst. “Sie hat ihn jetzt 10 Minuten gesehen, was sagt das schon aus?” “Sie betreut ihn, seit er auf der Welt ist?” Es war kein schönes Gespräch. Dennoch zeigte sie sich sehr schockiert, als ich ihr sagte, dass mir bei diesem vorherrschenden Bild von meinem Kind, wohl keine andere Möglichkeit bliebe, als meinen Sohn abzumelden. “Aber sie können ihn doch nicht einfach abmelden! Sie sind doch alleinerziehend! Wovon wollen Sie leben?” “Glauben sie ernsthaft, es macht einen großen Unterschied, ob ich Harz 4 beziehe oder Teilzeit arbeite in München?” “Überlegen Sie sich das nochmal, denn wenn sie ihn abmelden, hat er gewonnen.”  Was bitte hat er gewonnen? Die Sicherheit, dass kein Mensch das Recht hat, ihn schlechter zu behandeln als andere? Die Gewissheit, dass er ok ist und die anderen doof? Geschenkt!

Böser Triggeralarm übrigens an dieser Stelle! Ist dieser Leitung nicht bewusst, dass ich als Alleinerziehende, wenn ich meine Miete, GEZ, Kitagebühren und Fahrtkosten zur Arbeit unterm Strich die gleiche Summe zur Verfügung habe, wenn ich das der Arge überlasse? Denn einer entspannten Vollzeitbeschäftigung konnte ich trotz perfekter bzgl Öffnungszeiten und Lage direkt neben der Haustür nicht nachgehen, seit meinem Kind regelmäßig eingeredet wurde, dass die Mama ihn bestimmt vergessen hat, wenn ich ihn nicht mindestens um 15 Minuten vor Schließung abgeholt habe. Außerdem fing ja nach Bekanntgabe der Reisepläne das Ärgern von Seiten der anderen Kinder an. Und die unterlassene Hilfestellung bei Konflikten. Denn mein Kind war auf einmal immer Schuld, wenn er verprügelt wurde oder ihm Sachen weggenommen wurden… Ein Schelm, wer böses denkt… Daher musste ich ohnehin im November Stunden reduzieren. Des weiteren habe ich einen unschlagbaren Vorteil des Alleinerziehenden Daseins zu schätzen gelernt: Wenn ich keinen Kitaplatz habe, zahlt das Jobcenter. Da es in München von allem zu viel gibt, aber Wohnungen und Kitaplätze Mangelware sind, hätte ich dort leichtes Spiel gehabt. Als verheiratete Ehefrau, die mit ihrem Einkommen die Lebenserhaltungskosten finanziert, weil der Mann das Eigentum abbezahlt, hätte ich mehr Probleme gehabt. Der Leitung war das wohl nicht so bewusst.

Gleich am selben Tag nach dem Gespräch, als ich mal wieder erklärt bekam, dass es einen Konflikt gab, hakte ich nach, was passiert sei. Eine genaue Auskunft bekam ich nicht. Nur die Aussage “Wir konnten es klären” Auf meine Nachfrage, wie man es geklärt hätte, wünschte man mir ein schönes Wochenende. Konnte der Erzieher ja nicht wissen, dass ich wusste, dass überhaupt nichts geklärt wurde in der Einrichtung, sondern der Konflikt von einer Mutter in der Abholsituation geklärt wurde, die quasi Mutter einer Konfliktpartei war und mich sofort informierte, als sie aus dem Kindergarten kam. Die Quintessenz war jedenfalls, dass man sich bei meinem Sohn nicht entschuldigen muss, da es unpädagogisch sei, Kinder zu Entschuldigungen zu zwingen. Naja, grundsätzlich ist es aber dennoch wichtig, die Schuldfrage zu klären und klar zu stellen, dass es ein No Go ist, anderen Kindern weh zu tun. Aber wozu sich die Mühe machen? Mein Sohn nahm schließlich nicht am Gruppenschnupfen teil, also ist das da wohl nicht so wichtig… Eine Woche später meldete ich ihn ab.

Dem Mobbing entkommen! Aber was nun?

Und jetzt ein halbes Jahr Harz 4? Nein. Die Lösung wartet immer stets hinter der nächsten Ecke. Die Patentante meines Sohnes schlug mir ein Wechselmodell vor, so dass ich zumindest drei Tage arbeiten und unseren Lebensunterhalt verdienen konnte. Viel war es nicht, aber der diskriminierende Gang zum Jobcenter blieb mir erspart.

Was war das für ein Wechselmodell? Der Deal war, dass er von Dienstag Abend bis Freitag Mittag bei ihr sein sollte und ich ihn dann Freitags zum Fußballtraining abhole. Dass ich die Rechnung ohne den Sommertrainingsplan gemacht hatte, der auch ein Training am Mittwoch Nachmittag vorsieht… Wer konnte das denn wissen! Die Idee war perfekt, nur leider artete es in relativen Stress und viel Fahrerei aus. Und wir sind nach wie vor finanziell autark, wenn auch… etwas arg eingeschränkt. Aber das gehört ja zum Lifestyle als Alleinerziehende in Deutschland.  Leider. Und der Kleine war aus der Hölle evakuiert. Gibt es was wichtigeres? Vermutlich nicht.

Jedoch war das Mobbing Thema mit der Abmeldung nicht erledigt. Schon eine Woche, nachdem ich die Abmeldung abgegeben hatte, sagte mein Sohn: “Mama, seit Du mich abgemeldet hast, sind alle viel netter zu mir.” Deutlicher kann man einen Mobbingverdacht doch gar nicht bestätigen… Als mein Sohn eines kalten April Tages kundtat, dass er gerne noch in Indien geblieben wäre, worauf ich entgeistert fragte, warum er denn dann so unbedingt und dringend heimwollt,  erfuhr ich dann, dass man ihm vor unserer Reise beim Mittagessen erzählt hätte, dass Indien sehr gefährlich sei. Und zwei Monate ja viel zu lang seien. Er würde ja so viel verpassen im Kindergarten. Was zur Hölle ist das denn für ein pädagogischer Ansatz? Auch, dass man ihn im Stuhlkreis der Lüge bezichtigte, als er nach der Rückkehr von seinen Erlebnissen berichtete, ihn also vor der ganzen Gruppe, in der er nicht anerkannt war und ohnehin der Sündenbock für alles, bloßstellte… Wirft in mir die Frage auf, warum solche Leute als Erzieher arbeiten dürfen.

Derartige Erzählungen sprudelten noch bis Ende Mai ca aus dem Kind heraus. Auch das Selbstvertrauen und die Zuversicht, dass man Konflikte auch lösen kann lassen bis heute noch sehr zu wünschen übrig. Aber… ich bin ja da. Und mit mir eine ganze Herde. Auch wenn ich mir vielleicht zeitweise einen extrem großen, breitschultigen und kompromisslosen Albaner gewünscht hätte, der den Herrschaften in dieser Kinderbewahranstalt ein wenig die Hölle heißmacht… Wer weiß, was der sonst für Special Effects hat.  Dann lieber die Herde!

Kennst Du das? Hast Du selbst schon einmal mit Mobbing zu tun gehabt? Was war Deine Lösung? Schreibe es mir in die Kommentare! Willst Du wissen, was sonst noch los war? Bleib dran!

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