by felicitevanille | 10:31 pm

Wie die Frustration und die Defizite der individualisierten Gesellschaft auf Familien übertragen werde. Ein zynischer Lösungsansatz.

Kinder sind in Deutschland nicht erwünscht. Also schon, aber die Damen der Gesellschaft mögen sie bitte gebären, sie in kindgerechten Arealen parken und sie tunlichst vom öffentlichen Raum fernhalten bis sie erwachsene, leistungsbereite Steuerzahler sind. Nebenbei sollen beide Eltern möglichst viel arbeiten, damit sie möglichst zum Wirtschafts- wachstum beitragen. Am besten beide voll. Dann sind die Kinder auch in der Kita verräumt und stören nicht im öffentlichen Raum. Dort haben sie definitiv keinen Platz!

Die ganzen Passagiere des  U-bahnabteils stöhnen gequält, wenn so eine Mutti mit ihrem Kinderwagen den ganzen Platz, den man nun mal zur Selbstentfaltung braucht, völlig egoistisch einnimmt. Ja kann denn die nicht zu Fuß gehen? Die hat doch Zeit. Warum muss die ausgerechnet in den Stoßzeiten fahren? In München sind in den letzten vier Jahren leider quasi immer Stoßzeiten. Von 7 bis ca. 19 Uhr.

Eltern von kleinen Kindern in der Autonomiephase sind dringendst angehalten, öffentliche Räume zu meiden. So ein Trotzanfall stört doch erheblich die Gemütlichkeit. Und gerade diese Attacken sind ja unberechenbar. Der Klassiker ist der im Laden. Und der auf dem Weg. Und der in der Tram. Und und und. Besser gleich zu Hause bleiben. Was? Das Kind rennt in der Wohnung, spielt mit Bauklötzen oder singt gar im Treppenhaus auf dem Weg nach unten? Ja muss denn das sein? Habt ihr keinen Fernseher? Schon wieder ein Fail. Blöd jetzt. Aber in der Familie und im Freundeskreis sind sie doch willkommen? Äh… Bedingt. Für gemeinsame Feierlichkeiten oder Cafebesuche sucht man sich besser einen Babysitter, sofern keine anderen Kinder da sind, die im gleichen Alter sind. Man möchte doch das Fest nicht ruinieren, nicht wahr?

Also der Schlüssel des Problems wäre vermutlich, das Kind zu gebären und es ins Internat zu geben. Dort werden die Kinder dann zu Emotionszombies, die mit aller Gewalt und Manipulation in unsere dysfunktionale Gesellschaft gepresst werden. Treue CSU Wähler, für die Arbeit und Konsum alles ist. Hochqualifiziert natürlich. Socialskills bringen einen doch eh nicht weiter im Leben. Warum nicht ins Heim? Keiner soll dem Staat auf der Tasche liegen. Der braucht sein Geld für wichtigeres. Steht nicht die nächste Bankenrettung ins Haus? Der nächste Auslandseinsatz der Bundeswehr? Ist ja jeder komplett für sich selbst verantwortlich und soll gefälligst die Konsequenzen seines Verhaltens schon 20 Jahre im Voraus absehen können, bitte sehr!

Wenn Mutti und Vati Vollzeit arbeiten, wirds auch nicht so schlimm mit dem Fachkräftemangel und außerdem können sie das Internat dann schon bezahlen. Genauso wie die 40 qm Wohnung für 900 Euro kalt im U-Bahnbereich dann ja auch völlig bezahlbar und ausreichend ist. Die Nachbarn werden auch nicht gestört. Und das soziale Netzwerk braucht auch nicht flexibel werden oder gar Rücksicht nehmen. Wozu anpassen in der Zeit der Individualisierung? Wird völlig überbewertet.

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