by felicitevanille | 11:38 pm

Vorurteilsgeneriertes Plädoyer für eine anstrengende Lebensform oder was die CDU von Alleinerziehenden denken könnte

Ja, ich muss schon sagen, es ist herrlich, alleinerziehend zu sein. Meine Freundinnen und ich gammeln den ganzen Tag in Cafes, Boutiquen und Parks rum und flanieren von einem Latte Macchiato zum nächsten. Wir tauschen uns über die schönsten Spielgruppen, Postnatal-Yoga und Pekip aus, empfehlen hier einen Juristen, dort einen Therapeuten und kennen alle Tricks. Alle? Naja alle, die für uns relevant sind. Wie man Männer erst anlockt, sie vergrault und im Anschluss ausnimmt, wie die Weihnachtsgänse zum Beispiel. Sicher, das einzigste was uns interessiert ist schließlich nur der Kontostand. Ist der passend, berechnen wir sofort unsere fruchtbaren Tage und lullen sie ein, die Männerwelt, um unser Überleben zu sichern. Skrupel kennen wir nicht, also kümmert euch um eure Ehemänner, Ladys (natürlich nur, wenn sie über ein überdurchschnittliches Einkommen verfügen)! Oh, und arbeiten wollen wir übrigens auch nicht. Zeigen ja die Zahlen, wie viele Alleinerziehende von Sozialleistungen leben und nebenbei den Unterhalt für die Kinder im Nagelstudio verprassen. Oder das Kindergeld, je nachdem. Wir wissen gar nicht, wohin mit soviel Sozialleistungen, deswegen trifft man uns so oft auf der Maximiliansstr. bei Baby Dior und Co. Sind die Erstlinge dann in  der Kita, was ja bekanntermaßen überhaupt kein Problem ist, werden Alleinerziehende schließlich stets bevorzugt, haben wir viel zu viel Zeit. Täglich Wellness und Champagnerverkostung wird halt auch irgendwann fad… Meist verbringen wir sie damit, nach dem nächsten Financier Ausschau zu halten, um ihn zunächst im Spinnennetz der Begierde zu fixieren und ihn dann mit gebrochenem Herzen in seinen Tränen ertrinken zu lassen – natürlich erst, nachdem wir die Vollmacht für alle Konten haben. Denn mit Arbeit, wie gesagt, haben wirs nicht so und – Hand aufs Herz – den Haushalt mit noch einer Person mehr in Schuss zu halten, das kann man sich doch auch sparen! Meistens gestaltet sich die Akquise auch etwas kompliziert und wir haben mehrere Eisen gleichzeitig im Feuer. Bei Eintritt der Schwangerschaft suchen wir uns dann den solventesten aus und tun so, als käme nur er in Frage. Ist er zu klug und durchschaut er unsere Machenschaften, arbeiten wir uns, natürlich an der Rendite orientiert bis nach unten durch. Das erklärt, warum es so viele mittellose Zahlväter gibt, die glatt Überstunden machen müssen, um den Ferrari zu tanken. Und warum wir bildungsfern sind, denn wären wir das nicht, hätten wir uns doch den reichsten, erpressbarsten geschnappt, denn Beziehungen sind ohnehin nur das notwendige Übel. Alleinerziehend zu sein, ist doch viel enspannter, denn nur Alleinerziehende bekommen doch die ganzen Kitaplätze, Reserven in der Rentenkasse, Zuschüsse etc. Wozu dann noch eine Partnerschaft? Unterhalt ist doch viel lukrativer! Die Tatsache, dass unsere Kinder stets verwahrlost sind, wir depressiv und isoliert am Rande unserer Kräfte balancieren, ist doch nur Show, die nur der Sicherung dieses äußerst privilegierten Lebens dient. Nur so ist wahre Bildungsfernheit erträglich, denn Lernen bedeutet  Anstrengung. Da sind wir nicht gut drin. Das gilt es zu vermeiden.

So oder so ähnlich muss es in den Köpfen der CDU Politiker aussehen, die der geplanten Reform des Unterhaltsvorschussgesetzes im Wege stehen. Zur Aufklärung: Alleinerziehende bekommen, wenn der Unterhalt vom anderen Elternteil nicht gezahlt wird (das passiert sehr oft) Unterhaltsvorschuss. Das sind 100 Euro weniger, als der Unterhaltsanspruch, den der leibliche Elternteil wenigstens zu zahlen hätte. Diese Leistung kann aktuell sechs Jahre, aber maximal bis zum 12. Lebensjahr des Kindes in Anspruch genommen werden. Aus der SPD lag bereits eine Beschlussvorlage vor, den Anspruch bis zum 18. Lebensjahr zu erhöhen und die Bezugsbefristung aufzuheben. Jetzt versucht die CDU dies zu verhindern, obwohl diese Reform das Leben der Alleinerziehenden häufig erheblich vereinfachen würde. Zumindest finanziell.

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