by felicitevanille | 11:27 pm

Warum Mütterbashing scheisse ist und was jeder dagegen tun kann

Kennt Ihr dieses Kartenspiel Quartett? Ich habe das noch gut in Erinnerung mit Autos, es ist aber in allerlei Varianten verfügbar, verfolgt aber den Sinn, dass man vier Karten von einer Sorte zusammen sammelt, um möglichst viele Quartette zu bilden. Man bekommt diese Karten, in dem man, wenn man dran ist, sich die vermeindlich größte Stärke aus seiner vorliegenden Karte aussucht, sie benennt und alle anderen Mitspieler müssen dann die Zahl nennen, die auf ihren Karten unter dem Punkt stehen. Hört sich dann im Livemitschnitt etwa so an: “PS: 250.” “75.” “110.” “Hihi.” “Grummelgrummel.” “Na warte.”

So ähnlich erlebt man das nicht nur beim Belauschen der Kleinen, sondern auch, wenn man deren Mütter in ihrem Wirkungskreis unter Gleichgesinnten belauscht. Nur in ganzen Sätzen. Stech-kriterien sind: Mann, Wohnraum, Können der Kinder, Erziehungsstil, Ernährung, Medien… Ach einfach alles, was das Familienleben so hergibt. Ein Gespräch könnte sich dann so anhören: “Mein Mann hat letztes Wochenende mit Timmy in der früh ne Stadtrunde gemacht und anschließend Brötchen geholt, damit ich auch mal wieder ausschlafen kann.” “Echt? Das macht meiner, seit seine Elternzeit rum ist immer!” “Räusper (die Alleinerziehende guckt in die Luft)” Leider spielen diese Mütter kein Quartett. Keiner bekommt dafür etwas. Sie bashen nur, um sich selbst zu profilieren. Warum ist das bashing? Das ist doch eine ganz normale Spielplatzunterhaltung! Nee, ist es nicht. Vom Mutter Eins kann es durchaus so gemeint sein, stellen wir uns eine Mutter von einem acht Monate altem Baby vor, deren Augenringe Bände sprechen. Aber spätestens Mutter Zwei macht deutlich: Euer Leben ist scheisse, meins ist besser! Mutter Drei enthält sich, was soll sie auch beitragen? Dass sie auch gerne Umgangswochenende hätte? Oder dass ihr Unterhalt vorerst auch reichen würde? Innerlich sieht es nach diesem Gespräch nur bei einer gut aus. Die Alleinerziehende verflucht ihren Lebensumstand und Mama Eins beschließt ein ernstes Gespräch am Abend mit ihrem Mann. Toll! Hätte Mutti Zwei sich auch schenken können, denn Hiebe in die Magengrube vergisst man auch im Feenmodus nicht. Der Hammer fliegt zurück. Beispielsweise so: Mutti Zwei: “ Wir haben jetzt einen Krippenplatz! Sogar bis 17:00 Uhr! Zwar nicht in unserer Wunschkita, aber immerhin kann ich wieder planmäßig in meinen Beruf zurück.” Mutti Eins (holt aus zum Donnerschlag): “Waaaas? Soooo lange lässt Du Dein Kind fremdbetreuen? Findest Du das nicht verantwortungslos? Verdient Dein Mann so schlecht? Ich steige ja nur mit 25 Stunden wieder ein. Da kann ich mich noch größtenteils selber kümmern, Timmy ist doch noch so klein!” Mutter Drei: “Also ich würde meine Kleine ja nirgendwo anders abgeben, als in meiner Wunschkita! Wer weiß, was die da mit ihr machen, wenn die Eltern weg sind!!! Das wäre mir viel zu riskant. Aber jede setzt halt andere Prioritäten, ne.” Badam! Es hätte so schön sein können, in der Sonne auf dem Spielplatz…

Versteht Ihr, was ich meine? Derartiges Verhalten finden wir oft unter Frauen. Und das ist komplett fürn Arsch! In meiner Kindheit feierten wir oft ökumenische Gottesdienste, also Katholen und Evangelen zusammen. Wir haben ja so viel gemeinsam! In Irland schlugen sich währenddessen die gleichen Menschengruppen die Köpfe ein. Die Unterschiede sind einfach zu groß und “meins” ist immer besser. Das Bashing macht bloß im Quartett Sinn, denn man muss schon gucken,dass man “seine Viere” zusammen sammelt. Im Real Life würde niemand ernsthaft versuchen, einen Ferrari mit einem Panzer zu vergleichen. Wozu auch? Haben ja völlig unterschiedliche Aufgaben, die Beiden. Und wir Frauen auch. Jede hat ihre eigenen Ideen, Lebensentwürfe und auch Lebensumstände. Wir unterscheiden uns nicht nur aufgrund irgendwelcher Äußerlichkeiten. Deshalb ist es aus meiner Sicht äußerst relevant, dass wir uns alle auf den gleichen gemeinsamen Nenner besinnen und der ist bei Müttern immer, dass irgendwo irgendwelche Kinder eine Rolle spielen. Konträre Meinungen, Lebensformen und Einstellungen können dann eine Bereicherung sein, da sie als Inspiration gesehen werden können. Nur wenn wir uns auf Augenhöhe begegnen und akzeptieren können, dass andere Sachen anders sehen und anders machen, können wir auch von diesen Kontakten profitieren und uns sogar öffnen und Hilfe suchen, wenn wir sie brauchen. Wenn es nur darum geht, wer besser ist, ist der Kontakt ein Kampf, der niemals endet. Solltest Du Dich auch in so einer Bashingsituation wiederfinden und hast echt keinen Bock drauf, dann denk doch mal an den Vergleich mit dem Quartett. Das Kind, das um jeden Preis gewinnen will sucht sich in solchen Situationen dann immer den Trumpf der Karte, die gerade vorliegt und sagt auf die Frage nach den PS: “Meiner wiegt 16,5 Tonnen.” Führt im Kindergarten zu heftigsten Streitigkeiten, hilft aber den Kampfgeist in Erwachsenendiskussionen zu entspannen. Also zum ersten Beispiel zurück sagt die Alleinerziehende auf den doofen Kommentar von Mutti zwei: “Wir kaufen auch nur Bio.” Bäm. Nun darf gelacht werden oder reflektiert werden, was in dem Gespräch schief lief. Auf jeden Fall brauchen die Schwerter für den nächsten Kampf nicht geschliffen werden und man darf, trotz Unterschiede, weiter miteinander befreundet sein. Auf Augenhöhe.

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