by felicitevanille | 6:16 pm

…und warum ich keinen Bock mehr habe, mich durch Rockstarbiographien zu wälzen.

 

Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Jim Morrison…  Egal, für welches Exemplar man sich entscheidet… Es ist doch immer ähnlich. Alles gewünschteste Wunschkinder, die leider nicht so geraten sind, wie die Eltern es sich vorstellten. Ähnlich muss es ihnen wohl im Nachhinein bei der Betrachtung des anderen dazugehörigen Elternteils gegangen sein, denn bis auf Morrisons Eltern haben sich alle getrennt.

 

Lange habe ich überlegt, wie und was ich in Bezug auf dieses Thema verarbeite und verbreite und ich bin zu dem Entschluss gekommen: Nichts. Wenn überhaupt, dann wenig. Warum? Es ist einfach zu negativ. Gerade aus Cobains Kindheit gibt es sehr viele Überlieferungen, die wenigsten erträgt mein Mutterherz. Gerade dieses Video von dem blonden Jungen, der stolz seinen Namen sagt, rührt zu Tränen, stellt man sich vor, wie er von seinem Vater gezüchtigt wurde. Zucht und Ordnung waren übrigens für alle Väter dieser Künstler sehr wichtig.

 

Aber reicht das allein aus, um mit 27 Jahren derart am Ende zu sein? Ist es nicht auch ein wenig der Ruhm, die fehlende Struktur und das viele Geld, das es dem Menschen erlaubt, derart zu eskalieren? Wären diese Leben anders verlaufen, wenn diese Kinder allein bei ihren Müttern groß geworden wären? Die Väter haben sie jedenfalls nicht gerettet. Soviel steht fest. Und alle haben ihren Vater gekannt und über mehrere Jahre sogar mit dem selben zusammengelebt. Nichts von der bildungsfernen Alleinerziehendenschicht zu sehen, in diesem Club 27. Nur autoritäre Väter, zurückgezogene Mütter, die versuchen ihre Kinder in Systeme zu pressen, mit denen sie offenbar selbst nicht so ganz im Reinen sind. Später wird von Jugendlichen berichtet, die entwurzelt von A nach B geschoben wurden, da keiner mehr so recht mit ihnen klar kam. Aber alle hatten Gitarren. Und das hat sie wohl am Leben gehalten, denn vermutlich wären sie ohne dieselben schon viel früher von uns gegangen und keiner hätte mit diesen Namen etwas anfangen können.

 

Diese Väter haben ihren Kindern sehr geschadet, ob sie ähnliches durch völlige Abstinenz zu Wege gebracht hätten, ist fraglich. Wäre ein 14 tägiger Umgang sinnvoller gewesen, als ständiger Kontakt und Unterdrückung im Elternhaus? Hätten diese Menschen sich genauso zu Grunde gerichtet, hätten sie ihre Väter nie kennengelernt? Man weiß es nicht.  Und man wird es nie erfahren.

 

Jedenfalls erscheint es vor diesem Hintergrund sehr einfach, diese Relevanz des Vaters, die in den letzten Jahren ja unglaublichen Hype erfuhr, im Leben eines Kindes grundsätzlich in Frage zu stellen. Aber was ist mit den gewalttätigen Müttern? Im Club 27 kommen sie nicht vor, was aber nicht heißt, dass es sie nicht gibt. Und was ist mit den “Übervätern”, die zwar von Ehe nichts verstehen, aber für ihre Kids durch die Hölle gehen? Nutzt auch nichts, wie der Fall Winehouse zeigt.

 

Ich denke, es gibt einige Kinder, die ohne einen Elternteil, manchmal auch ohne beide leibliche Eltern, tatsächlich besser da stehen. Ob es nun der Vater oder die Mutter ist und welchen Effekt das auf die weitere Entwicklung hat ist wohl individuell. Ebenso wie es der Vater und die Mutter sind.

 

Warum der Name Joplin in diesem Kontext nicht fällt? Weil Janis es sehr schön zu Hause hatte. Dies allerdings gefiel den anderen Kindern nicht so gut, dass im Hause Joplin Theater gespielt und musiziert wurde. Auch an den Kleidern der kleinen Janis gab es viel auszusetzen, so dass man sie leider aus der Klasse ausschließen und permanent diskriminieren musste. Heute würde man das Mobbing nennen. Während alle Janis kennen, haben wir keine Ahnung, was ihre Klassenkameraden heute machen, also die, die sie sogar nach ihrer ersten goldenen Platte auf dem Klassentreffen noch verachteten. Janis jedoch richtete sich zugrunde. Gnadenlos. Trotz heiler Familie und ohne Gitarre.

 

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