by felicitevanille | 5:13 pm

Beinahe obdachlos in Arambol und sonstige Befindlichkeitsstörungen

Während wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge kamen, um Abschied zu nehmen, wunderte sich unser Gastgeber über unsere Rückkehr mitsamt unserem ganzen Gepäck. Als wir von unserer Erfahrung erzählten, dauerte es fünf Minuten und er vermittelte uns ein Zimmer in unmittelbarer Nachbarschaft. Es war nicht wirklich sauber, lag direkt an der Mainstreet kostete aber nur 500 Rupies pro Nacht. Haben ist besser als brauchen, dachte ich mir, außerdem wollten wir ja eigentlich ohnehin länger in Arambol bleiben und sagte zu. Go with the flow!

Der Gastgeber erschien in Anwesenheit meines vorherigen Hosts sehr nett und freundlich. Wir holten unsere Sachen, bezogen unser Zimmer und gingen an den Strand. Als der Gastgeber meinen Sohn sah, fragte er relativ unfreundlich, wieviele Leute denn noch dort wohnen werden. Als ich antwortete, dass nur wir beide einziehen, schien alles geklärt. Leider war es das nicht. Zwar kamen wir ungesehen vom Strand ins Zimmer, als wir uns dann aber auf den Weg zu den Trommlern machen wollten, wollte der Gastgeber wissen, wie lange wir definitiv bleiben. Ich fragte, ob es möglich wäre, ihm am nächsten Morgen ein genaues Datum zu nennen. Er begann zu schreien, dass man doch wissen müsste, wie lang man ein Zimmer will bevor man es bezieht und dass wir gefälligst morgen um zehn verschwunden sein sollten. Zunächst blieb mir die Spucke weg, aber für ein Lächeln und ein „Thank you“ hat es dann doch gereicht.

Innerlich aufgewühlt, äußerlich gelassen, berichtete ich von meinen Erlebnissen. Der Vater der neuer Freundin meines Sohnes bot an, dass er sich doch um die Kids kümmern könnte und ich mich schnell selbst auf die Suche nach einer passenden Unterkunft machen könnte. Denn Angebote an einfachen Guesthouses mit freien Zimmern gibt es in Arambol definitiv genug. Während das erste Angebot zu teuer, dafür relativ luxeriös war, wurde ich beim zweiten Angebot schon fündig! Ein einfaches, auf den ersten Blick sauberes Zimmer mit Balkon zum Meer (natürlich war das das zweite Zimmer, in diesem Haus, das ich sah;)) für 800 Rupees. Ich sagte zu und buchte fix bis zum 20.01.

Wie kann es sein, dass ich diesen Bericht nun am 16. 01. in Anjuna schreibe??? Tja… Lass Dich überraschen!

Wir verbrachten eine schreckliche Nacht im 500 Rupee Guesthouse, da es direkt an der Mainstreet lag und dort leider erst gegen 4 Uhr morgens Ruhe war. Aber für nur eine Nacht… War es wahrscheinlich ruhiger, als am Strand. Morgens packten wir wieder unseren Kram – Handgepäck ist in derartigen Situationen Gold wert! – und zogen wieder um. Diesmal für länger. Was waren wir entzückt, einen Kleiderschrank zu haben! Dass er komisch roch, habe ich leider erst beim Öffnen bemerkt… Aber egal, die Rucksäcke sind ja auch super! Und verfluchte Axt, wir hatten Meerblick. Also alles relativ. Als mein Kleiner sich aufs Klo begab, kam er ganz schnell rausgelaufen mit den Worten: „Mama, Mama, auf dem Klo gibt es ausländische, gefährliche Tiere!!!!“ Ich war auf alles gefasst und – da war sie! Sie, die ich schon im vorherigen Zimmer vermisst habe! Eine handelsübliche indische Kakerlake. In unserer Kloschüssel.

Zufällig hatte ich noch aus unserer vorherigen Unterkunft Spülmittel dabei, da das Desinfektionsspray in Kombination mit der Klospülung leider nicht den gewünschten Effekt zeigte, denn das Biest konnte schwimmen. Nach ner Ladung Pril war sie tot. Alles nicht so tragisch, denn wir hatten ja Meerblick!

Wir trafen uns am Abend mit einem Bekannten, der ebenfalls sämtliche Guesthouses in Arambol inspiziert hatte, da er einen längeren Aufenthalt dort plante. Er meinte, als ich ihm sagte, wo wir nun hausten, er sei sich nicht sicher, ob es mein Guesthouse ist oder das davor, aber bei einem von den beiden habe er eine sehr schlechte Bewertung gelesen, dass das definitiv nicht für alleinreisende Frauen geeignet ist, da der Besitzer sehr übergriffig sei. Als ich googelte stellte sich heraus: Volltreffer! Aber ich wollte nicht mehr umziehen Nach Rücksprache mit dem Bekannten vereinbarten wir, ich solle dem Besitzer einfach von meinem Boyfriend aus Buenos Aires, der zufällig gerade beruflich in Arambol ist, erzählen. Aber soweit kam es nicht. Habe ihm immer Arbeit gegeben, wenn ich ihn sah, denn wirklich super war wirklich nur die Aussicht an dem Zimmer. Erst wollte ich Decken und Handtücher, dann einen Duschkopf, einen Mülleimer… Decken und Handtücher haben wir bekommen. Duschköpfe gab es angeblich keine passenden mehr und als ich am 2. Tag nach dem Mülleimer fragte, hieß es, dass ich mir in zwei Tagen wahrscheinlich eine neue Unterkunft suchen muss, da er eine Buchung übers Internet reinbekommen hat.

 

Gedacht habe ich mir… Nein, ich möchte nicht näher darauf eingehen. Gesagt habe ich „Thank you“ – mit einem Lächeln natürlich. An der nächsten Strandbar mit WLAN haben wir es uns dann gemütlich gemacht und unseren Auszug aus Arambol und den vorläufigen weiteren Verlauf geplant. Weil schon wieder in Arambol umziehen? Für ein paar Tage? Gottseidank nur mit Handgepäck, aber… das konnte es doch auch nicht sein! Weil in Anjuna am 14. unsere Lieblingsband 2016 – Anna RF, für alle die nicht bescheid wissen – spielen sollte, beschlossen wir, uns noch eine schöne Woche in Anjuna zu machen, bevor wir nach Gokarna fahren.

Also beschlossen wir, die Zeit in Arambol zu genießen und zu hoffen, dass Anjuna weniger stressig wird. Der letzte Abend in Arambol verlief leider nicht so lauschig. Mein Magen kämpfte den ganzen Tag mit dem Frühstück. Als mein Sohn am Abend Hunger hatte, beschränkte ich mich bei der Bestellung darauf, mir ein Bier zu bestellen. Essen war definitiv nicht drin. Nach zwei Schlucken wusste ich, dass das mit mir und dem Bier auch nicht läuft. Ich schlug mich wacker, bis das Kind satt war, bezahlte, aber schon den Wunsch nach einem Apfel vom Obststand musste ich ihm leider mit den Worten: „Ich bin froh, wenn wirs noch ins Guesthouse schaffen“ ausschlagen. Als wir dort angelangt waren, der Weg war gottseidank nicht weit, ging es auch schon los und mein alter Bekannter, der Delhi-Belly, war zurück.

Bauchkrämpfe und das Verständnis, warum es zwingend notwendig ist, dass in Indien neben den Toiletten immer Eimer stehen waren wieder da. Eigentlich hätte ich packen sollen, aber das war leider nicht möglich. Als der Schüttelfrost kam, zog ich mir sämtliche Klamotten übereinander und legte mich ins Bett, um wenigstens ein bisserl zu schlafen, was mir auch, mit wenigen Unterbrechungen, gelang.

Am nächsten Morgen hatte ich noch 38 Grad Körpertemperatur, schaffte es aber unser Hab und Gut zu verstauen, auszuchecken („Visapayment is not possible! Who told you that?“ Ja eigentlich Du…) Wasser zu kaufen und den Taxifahrer auf einen vernünftigen Preis runter zu handeln, denn an Schüttelbusfahren war nun wirklich nicht zu denken. Und dann waren wir in Anjuna. Und das war gut so, auch, wenn es zunächst nicht danach aussah. Warum? Erzähle ich Dir beim nächsten Mal 🙂

Comments

Thea

Ich denke an euch! Eine feste Umarmung von uns allen! Eine gute Zeit weiterhin!

Jan 17.2017 | 10:42 pm

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