by felicitevanille | 2:42 pm

Oder wie Mama Indien ihre Arme einmal ganz weit aufmachte, um uns ganz fest an ihren dicken Busen zu drücken.

Lange habe ich überlegt, wie ich diese Reise gestalte. Einfach sollte es werden. Definitiv nicht 5 Sterne Luxus All-Inclusive-Style. Aber… ich bin ja nicht alleine unterwegs. Und wenn ich das arme Kind schon mit in die dritte Welt nehmen muss, muss ich auch gucken, dass der Kleine nicht am ersten Tag die Schnauze voll hat. Also ein wenig arg tief in die Tasche gegriffen, und mittelschickes Hotel mit Pool gebucht.

Beim Verlassen des Flugzeuges registrierte ich diesen sehr speziellen Geruch – irgendwas zwischen Räucherstäbchen, Abgasen, verbrannten Autoreifen, Sandelholz und Kloake. Unweigerlich musste ich grinsen – Welcome back! Mein Sohn bemerkte es auch und kommentierte „Mama, hier stinkts.“

Wir kamen mitten in der Nacht an und nahmen uns ein Taxi ins Hotel. Bis auf die Tatsache, dass der Taxifahrer kaum Englisch sprach und keine Ahnung hatte, wo unser Hotel war, verlief die Ankunft reibungslos. Wir bekamen ein Zimmer im zehnten Stock und hatten eine Mordsaussicht über Colaba.

Da ich bereits ahnte, welch Geschäftigkeit und Trubel uns außerhalb der Hotelmauern erwartete, hatte ich keine Pläne gemacht. Wir sollten nice and slowly ankommen. Was wiederrum in seiner Einfachheit genial war, denn als wir uns am Nachmittag vor die Tür wagten, reichte schon eine kleine Runde zum Kekse kaufen, und mein Sohn hatte erstmal genug. Wir beehrten den Pool und begaben uns gegen Abend wieder auf die Straße. Natürlich die Ratschläge „niemals im Dunkeln in Mumbai als Frau auf die Straße gehen“ ganz vorne im Kopf. Aber was zur Hölle soll man machen, wenn man ein Abendessen will und es um 18.00 Uhr dunkel wird? Fasten? Bestimmt nicht.

Wir fanden fast um die Ecke ein sehr schickes Restaurant über den Dächern der Stadt, das so herrlich war, dass der Kleine es zu unserem Stammlokal auserkohr und wir von nun an jeden Abend in Mumbai dort verbrachten. Auf der Speisekarte befanden sich Pommes, was sicherlich auch zu seiner Entscheidung beitrug. Überhaupt hatten viele gefürchtet, dass mein Kind in Indien sicherlich verhungern würde. Doch bereits drei Tage nach der Ankunft entschied er sich für weniger scharfe, aber doch indische Gerichte. Auch die Leute an den Straßenständen, wo wir meistens frühstückten, nahmen selbstverständlich auf den Kindergaumen Rücksicht und verzichteten auf Chillisauce. Zwar blieb noch eine gewisse Grundschärfe erhalten, aber die wurde souverän mit Wasser gelöscht.

Bereits am ersten Abend in Mumbai bemerkte ich sehr viele Frauen, die sich offensichtlich herrenlos durch die Straßen bewegten. Nicht nur Inderinnen. Und da man in Indien als Tourist ohnehin ständig angequatscht wird, weil man irgendetwas kaufen soll, fiel mir nun keine Kontaktaufnahme als Anmache oder Belästigung negativ auf. Ganz normal – nur halt im Dunklen. Sicher wurde ich häufig gefragt, wo mein Husband ist. Ich antwortete darauf wahlweise „krank im Hotelzimmer“ oder „auf dem Friedhof“. Damit waren Gespräche über den Beziehungsstatus beendet in Mumbai. Jedem, der überlegt, Mumbai zu besuchen sei darüberhinaus dringend geraten, die Stadt auch nach Einbruch der Dunkelheit zu erkunden, denn Mumbai bei Nacht ist wirklich ein zauberhafter Anblick!

So trieben wir fünf Tage vergleichsweise ziellos durch die Stadt. Erlebten die unbeschreibliche Hilfsbereitschaft der Inder, wenn es darum ging, öffentlich von A nach B zu kommen oder besonders schöne Plätze zu finden. Mumbai haben wir als eine Stadt erlebt, in der man problemlos ohne Reiseführer klar kommt. Man kann sich immer durchfragen und im Gegensatz zu München kommt man dann auch genau dort an, wo man hin wollte. Die Inder erschienen mir sehr besorgt, dass wir uns verfahren.

Es war eine sehr herrliche Zeit, die wir in Mumbai verbrachten und die mich von meiner Überbesorgtheit befreit hat. „Es war goldrichtig, nach Indien zu fahren,“ dachte ich mir spätestens, als mein Sohn mir irgendwann in dem wuseligen Treiben sagte: „Danke Mama, dass Du mich mitgenommen hast nach Indien.“

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