by felicitevanille | 4:31 am

Oder warum immer alles so kommt, wie man es gerade braucht – gerade in Indien.

Mit immer noch äußerst flauen Magen bewegten wir uns nun also via Taxi nach Anjuna. Die Unterkunft – kein 5 Sterne-Palast, aber auch keine Budgetunterkunft – war bereits gebucht. Für eine Woche, denn klar war, dass wir am 20. 01. weiter fahren wollten nach Gokarna. Bei der Ankunft wollte ich nur schlafen, leider klappt das nicht, wenn der Mensch, der die Unterkunft betreut, ein Inder ist. Außerdem hatte das Kind Hunger. Und bezahlen sollten wir gleich. Obwohl Booking.com klar formuliert hat, das eine Bezahlung mit Visa möglich sei, war es dann doch mal wieder anders.

Wir mussten in so eine dubiose Money-Change-Spelunke, um die ich bislang immer einen großen Bogen gemacht habe. Für eine unanständig hohe Provision konnten wir dann einen größeren Betrag, welcher zur Begleichung der Rechnung des Guesthouses reichen würde, erhalten – dass dieser Betrag dreimal abgebucht wurde, kam erst später heraus, als mich mein Kreditkartenprovider anrief.

Um es ohne Umschweife zu formulieren – Anjuna ist häßlich. Zudem gilt es zu erwähnen, dass ich Indien schon ca. 3 Tage vor der Ankunft nicht mehr riechen konnte. Überhaupt nicht. Der Dreck hat mich aufgeregt, die Leute, die einen abzocken, wo sie nur können und überhaupt… warum war ich bloß nicht in Thailand? Und dann Anjuna.

Nachdem ich endlich zu meinem wohlverdienten Schläfchen kam, ging es mir körperlich viel besser. Das Fieber war auch verschwunden. Also machten wir uns auf die Suche nach dem Beach. Das Ergebnis – völlig desilusionierend. Überall waren Felsen. Von den vielgerühmten kilometerlangen Sandstränden Goas weit und breit keine Spur.

Da mein Kind nach einer kurzen Rollerfahrt in Arambol beschlossen hat, dass wir uns unbedingt einen Roller mieten müssen, ich allerdings bislang abgewehrt hatte, denn erstens kann ich nicht Linksverkehr, zweitens kenne ich die Straßen nicht, drittens ohne Helm? Niemals! und viertens: ich habe es noch nie ausprobiert. Und dann in Indien? Gehts noch? Aber eine Woche an diesem häßlichen Strand? „Kind, wir brauchen einen Roller“, hörte ich mich sagen. Wir mussten ja nicht weit… dachte ich. Kind war begeistert.

Meine Mama weniger. Am Abend schraubte sie meine Zweifel wieder hoch. War es wirklich todesmutig, sich hier mit einem Scooter zu bewegen? Wie alle anderen auch? Vermutlich. Also am nächsten Morgen versucht, Kind zu überzeugen, dass Schüttelbusse auch cool sind. Fand er nicht. Überhaupt nicht. Nachdem ich ihn überzeugen konnte, erstmal frühstücken zu gehen, kam es wieder, wie es kommen musste. Denn in Indien bekommst Du alles was Du brauchst — und zwar meistens gleich, hinter der nächsten Ecke, ohne, dass Du damit rechnest. Und die nächste Ecke war in diesem Fall das Lokal eines ausgewanderten Franzosen, der uns am Vorabend zum frühstücken eingeladen hatte.

Am Nebentisch saß Bill. Bill war ein sehr redseeliger Mensch aus England, der vor kurzem das Rollerfahren für sich entdeckt hat. Und er hat mich überzeugt, dass es unbedingt zwingend notwendig ist, dieses Gefährt zu beherrschen, wenn man in Asien unterwegs sein will. So kam ich zu meiner ersten Fahrstunde. Auf Bills Scooter. Buckelpiste rauf und runter. Wie ich so vor mich hinholperte, gesellte sich irgendwann ein Inder hinter mich. Der zwar behauptete, dass er an seinem Leben hängt, aber dennoch ein Übungsgewicht sein wollte. Nach einer Runde hat ers wohl doch mit der Angst bekommen, aber nach dieser Runde wurde ich zuversichtlich, dass sowohl mein Kind und ich unbeschadet aus dieser Nummer rauskämen. Wir könnten ja langsam fahren.

Also brauchten wir einen Roller. Wir wurden schnell fündig und waren von nun an frei. Zunächst noch ein wenig holprig, aber von Tag zu Tag besser. Mit Helm übrigens. Wir fuhren sämtliche Strände ab, um festzustellen, dass die schönsten im nördlichsten Norden, also zwischen Arambol und Morjim sind. Calangute und Baga sind hoffnungslos überlaufen, ebenso Vagator. Allerdings gibt es hinter dem berühmten Vagatorstrand noch einen kleineren, der ganz annehmbar ist.

Wir hatten einen schöne Woche mit der Base in Anjuna. Die Menschen sind auch – im Gegensatz zu Arambol – wesentlich freundlicher und hilfsbereiter. Es gibt viele Traveller und noch mehr Aussteiger, aber es herrscht ein durchaus angenehmes Klima. Wenn man woanders zum Strand gehen kann, ist es durchaus ein empfehlenswerter Ort, um dort seine Abende zu verbringen.

Was ich in Anjuna gelernt habe

Die Geschichte mit dem Roller fahren ist das beste Beispiel dafür, wie einem Dinge eingetrichtert werden und wie man sich hinter Grenzen verbirgt, die einem definitv nicht weiterhelfen. In Deutschland kann ich auch vom Roller fallen oder auf der A8 von nem wahnsinnigen Österreicher überrannt werden und mit irreparablen Schäden auf die Intensivstation kommen. Sicher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dort sauberer ist und die Menschen deutsch sprechen, höher, aber in diesem Fall ist mir das egal, weil ich so oder so nicht mehr aufwachen werde. Klar empfehle ich hier auch niemanden, der frisch in Delhi gelandet ist, doch mit einem geliehenen Scooter ins Hotel zu fahren. Besser nicht. Aber es war Goa, da gehts dann doch viel ruhiger zu. Und hätten wir keinen Scooter gehabt, hätten wir sicher nicht so viel von Goa gesehen.

Was habe ich neben dem Rollerfahren in Anjuna noch gelernt? Es tut mir ein wenig leid, dies zuzugeben, aber… Low-Budget-Backpacking ist mit Kind über 30 definitiv wirklich nicht in der 3. Welt zu empfehlen. Sicher klingt es für den Alleinerziehendengeldbeutel ultrafreundlich, für eine Woche Übernachten 56 Euro zu bezahlen. Cool. Aber für 120 Euro bekommt man eine warme Dusche, eine dickere Matratze, ein sauberes, ruhiges Zimmer und freundlichen Service, der täglich die Handtücher wechselt, wenn man das will. Es ist leider mit Kind so, dass man durchaus mehr Zeit in der Unterkunft verbringt, als als Singletraveller, der wirklich nur nach der Party zum Schlafen im Zimmer ist. Und wenn man um Mitternacht ins Bett geht, ist es halt auch Mist, wenn man um 3 Uhr morgens von irgendwelchen Partymäusen, die gegen die Tür taumeln geweckt wird, weil sie den Weg in ihr Bett nicht finden.

Wir sind keine Auswanderer. Wir sind Urlauber. Und da möchte ich mir nicht alle 3 Tage eine neue Unterkunft suchen und unsere Taschen in der Hitze von A nach B schleppen. Da möchte ich eine gute Zeit haben und mich auch ein wenig erholen, denn das Geld, das ich verprasse, schneit schließlich nicht zur Tür herein. Es geht nicht mehr darum, mit möglichst wenig möglichst lang unterwegs zu sein, denn unsere Zeit ist ohnehin begrenzt. Und ich möchte, dass sie gut wird. Und das – diese Erfahrung habe ich gemacht – geht nicht, wenn man alleine als Frau in Indien unterwegs ist und Zehnerl fuchst. Warum ich an dieser Stelle die Gender- Karte spiele? Abgesehen davon, dass Männer in Indien immer weniger zahlen, möchte man ja auch seine Ruhe haben und anständig behandelt werden. Das kann man, wie überall auf der Welt auch in Indien kaufen. In Indien kann man es sich sogar leisten.

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