by felicitevanille | 11:19 pm

Zwischen Powerfrau und gefallenem Mädchen

Was ist eigentlich los, in der BRD? Alle reden von Gleichberechtigung, aber sobald wir Menschen uns vermehren gibt’s Probleme. Nein, die gibts gesellschaftlich eigentlich erst, wenn wir uns trennen und Kinder im Spiel sind. Also jetzt auch nicht für alle. Sondern nur für den Elternteil, der sich für ein weiteres Leben mit seinen leiblichen Kindern entscheidet. Dies sind aktuell in Deutschland 1,5 Millionen Frauen. Und 100000 Männer. Da ich mit der Welt der 100000 Männer wenig zu tun habe, kann ich mich nur auf die 1,5 Millionen Frauen beziehen, die so wahnsinnig sind, alleine ein Kind großzuziehen. Für Männer ist es ab diesem Schritt vergleichsweise easy. Sobald Frau und Kinder aus dem Haus sind, lebt sichs weiter, wie davor. Für das Bundesverdienstkreuz müssen die Kinder lediglich alle 14 Tage ein Wochenende umsorgt werden und einmal monatlich eine bestimmte Summe auf ein Konto überwiesen werden. Damit ist’s getan und der Freifahrtschein für ein gesellschaftlich hochgelobtes Vater-Kind-Verhältnis ist einem sicher.  Viele Männer schaffen nicht mal das. Macht nichts, denn wenn kein Kind regelmäßig im unmittelbaren Umfeld des Herren zu sehen ist, gibt es meistens auch kein Kind. Blöd, wenn die werdende Mutter den Freundeskreis kennt, oder man gar verheiratet war. Aber da kann man sich bestimmt galant rausreden. Genauso wie beim Amt, wenns um Unterhalt geht. Easy. Wo kein Kläger… Naja kein Lauter. Kein Kläger der Angst macht. Ein Kläger, der verdammt viel am Hut hat und irgendwann zermürbt den Kampf aufgibt. Ist ja wichtigeres zu tun. Kommen ja keine Hilfstruppen. Ja wo sind eigentlich die Hilfstruppen, wenns um Unterhalt und Umgang geht? Nach Syrien und Afghanistan kommen sie sofort. Und hier in Deutschland? Bei den Alleinerziehenden würden sie ebenfalls gebraucht… Sicherer wären sie bei uns auf jeden Fall. Und nützlicher.

Der wahre Kampf beginnt, wenn die Beziehung zu Ende ist. Und es ist ein Leben am Limit. Am Limit der Nerven, am Limit des Geldes und Zeit hat man irgendwie auch wenn überhaupt nur noch… ach lassen wir das! Da beginnt er, der Prozess, des sich Durchwurstelns. Für die einen. Die mit den Kindern. Für die anderen beginnt der Prozess des Urteilens, der Ratschläge und der unangebrachten Reaktionen. Sicher, Du verstehst es nicht, dass ich mich getrennt habe und ich verstehe nicht, warum du dich und deine Kinder von jemandem schickanieren lässt, der noch nicht mal charmant sein kann. Deine Welt, meine Welt.

Grundsätzlich teilt das Volk sich in zwei Lager, wenn es um das Thema alleinerziehend geht. Die einen sprechen von Powerfrauen. Die unglaublichen Superwomen mit einem Organisationstalent, dass jedem Manager schwindelig wird, die auf eigenen Beinen stehen, von nichts und niemandem abhängig sind, die, die übers Wasser gehen und Wasser zu Wein – halt, das war jemand anderes. Aber Ihr wisst schon, wie ich meine, und der Tenor ist zum verwechseln änlich. Während parallel dazu der andere Tenor brummt: Du hättest alles haben können, Du hast es verbockt, Du hast es nicht anders verdient, als Anträge für Sozialleistungen zu stellen, die von vornherein nicht genügen, die Bedürfnisse aller zu decken, auch wenn sie aufs minimalste runter geschraubt werden, krieche auf Knien, du hast Dein Soll nicht erfüllt. Selber schuld, wenn du dir den Vater deiner Kinder nicht besser aussuchst. Du hättest es wissen müssen, wohin das führt. Das hast Du nun davon. Schau wie du klar kommst.

Für jeden Tenor gibt es in dieser Gesellschaft einen großen Resonanzkörper. Und dazwische? Stehen Frauen aller Altersstufen mit Kindern an den Händen. Die alles irgendwie hinkriegen. Selbstverständlich hinkriegen. Was hat man schon für eine Wahl? Wer wäscht denn die Wäsche und besorgt was zu essen, wenn nicht man selbst? Was passiert denn, wenn diese 1,5 Millionen Menschen alle am gleichen Tag beschließen, solange nichts zu tun, bis sich etwas in Richtung Gerechtigkeit bewegt, mit dem auch Mütter mit Kindern leben können? Schauen wir dann, welches Jugendamt schneller ist? Gerade bei ganz kleinen Kindern würde es so schnell brenzlig werden, wahrscheinlich noch bevor es überhaupt auffällt, dass da eine sehr große Gruppe streikt. Würde es überhaupt wirklich auffallen?  Vermutlich nicht, denn lang bringt eine Mutter es nicht fertig, ihr Kind verwahrlosen zu lassen. Würde sie es fertig bringen, hätte sie es doch mit Eintritt oder zumindest kurz nach Eintritt in diese Kaste der Alleinerziehenden ins Heim gegeben. Als ihr aufgefallen wäre, dass sie ihren Job nicht mehr machen kann, weil der nicht zu der Kita Öffnungszeit passt und viele Versprechen von Verwandten und Bekannten doch nur Schall und Rauch sind. Oder als ihr klar wurde, dass die 400 Euro Unterhalt, die ihrem Kind zu stehen nun doch nicht bezahlt werden, weil gar nichts bezahlt werden muss in Deutschland, wenn man als Mann ein Kind gezeugt hat. Dass es diese Umgangswochenenden nicht gibt. Dass sie einfach keine Chance mehr hat, auf dem ersten Lebensmarkt. Von nun an ist alles anders. Und sie macht es toll. Weil es nicht anders geht. Und weil es meistens besser ist, als das, was vorher war. Weil sie erwachsenen geworden ist und weiß, dass es besser ist, sich und ihr Kind zu schützen, als zu hoffen und zu beten, dass jemand sein Versprechen hält.

Aber sie ist keine unfehlbare Powerfrau. Sie ist auch kein gefallenes Mädchen. Denn sie ist aufgestanden. Nachdem sie auf die Fresse fiel. Und gegangen. Und das Kind? Nimmt sie mit.

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