by felicitevanille | 11:48 pm

Gut Ding will Weile haben – bedenke den Zeitfaktor, vor allem, wenn Du alleine mit Kind eine Reise planst!

Das Meer rauscht, die Sonne scheint, es ist warm, kein Regen in Sicht, in der einen Hand ein Schirmchengetränk in der anderen ein gutes Buch… Das war einmal. Nicht nur für Alleinerziehende, die mit ihren Kindern verreisen. Das betrifft alle Eltern.

Urlaub ist was schönes und jeder sollte in den Genuss kommen, mindestens einmal im Jahr alle Pflichten hinter sich zu lassen. “Die schönste Zeit im Jahr” wird für viele Familien zur Zerreißprobe, aber wir Alleinerziehenden haben Glück! Wir fahren nur mit den Menschen in den Urlaub, die wir sowieso das ganze Jahr nahezu permanent um uns haben. Diese Ehepaar-Überraschungen, wo “er” sich beispielsweise vorstellt, endlich Zeit für die Zeitung, und zwar in Ruhe bitte (!!!) sowie ein größeres Workout in der Fitnesshalle zu haben, während “sie” hofft, dass sie nun endlich für wenigstens zwei Wochen nicht völlig allein für die Kinderbespaßung zuständig ist und diesen neuen Roman lesen kann oder sogar im Spa ein wenig Wellness genießen kann, bleiben Dir erspart, wenn Du alleinerziehend reist. Allerdings kann Urlaub auch für Alleinerziehende ein zunächst (!) aufreibendes Unterfangen werden. Bedenke, die Verstecke, die Du zu Hause hast, also Arbeit, Kindergarten, Haushalt und Termine fallen weg. Da sind nur Du, Dein(e) Kind(er) und die jeweiligen Interessen, die Ihr so mit bringt. Gerade kleinere Kinder kann man schwer allein losziehen lassen, also müssen alle alles mitmachen. Ein gewaltiges Konfliktpotential geht bei uns immer von dem Vorhandensein eines Pools aus, denn ich liebe das Meer. Außerdem esse ich auch gerne, wenn ich Hunger habe. Leider wirkt sich der Pool auf meinen Sohn ein wenig wie Partydrogen aus, das heißt, er verspürt weder Hunger, noch Durst, noch Kälte. Alles andere, abgesehen vom Pool, ist uninteressant. Dies führt zu Konflikten. Anstrengenden Konflikten. Die man, wie auch zu Hause, völlig auf sich gestellt zu bewältigen hat, nur ohne Rettungsanker Kindergarten, Wäsche aufhängen oder dergleichen. Die Blicke der Anderen Touristen inklusive.

Je länger der Urlaub dauert, umso geringer wird das Konfliktpotential, da Kind lernt, dass der Pool weiterhin existiert und mindestens einmal am Tag genutzt wird, obwohl man einen halben Tag am Meer verbringt, essen oder einkaufen geht, während die Mutter den Pool als Ruhepol zu schätzen lernt. Das liegt an der Routine, die sich leider erst mit der Zeit einstellt.  

Spiele ich hier zwar eher auf den Klassiker, den Pauschalurlaub unter Palmen im Geiste an, ist es grundsätzlich völlig egal, für welche Art Trip du Dich entscheidest. Wichtig ist zunächst nur, den Zeitfaktor zu beachten! Konntest Du früher noch für ein Wochenende nach London und hast im Powerwalking die Stadt erkundet und fast alles gesehen, was Dir wichtig war, kannst Du das beim Urlaub allein mit Kind vergessen. Plane eine Woche ein! Dann habt Ihr Zeit, euch das anzugucken, was euch beide interessiert. Du wirst nicht nervös, weil der Spielplatz doch zuviel hergibt und Du einen Nachmittag komplett dort verbringst obwohl Du eigentlich zu Harrods wolltest. Eine Woche Pauschal All-inclusive hat Dir früher gereicht, um ein wenig runterzukommen? Heute brauchst Du zwei. In zwei Wochen von der Ile de Re über Saint Jean des Luz nach Toulouse? Plane besser vier! Lieber zu viel Zeit, als zu wenig.

Mit Kind wird Dir auch bei Regen und Wind im April in Paris nicht langweilig. Solltest Du es wirklich schaffen, von Pere Lachaise an einem Tag zum Eiffelturm zu gelangen – es gibt so viele Karussells auf dem Weg und sie sehen wirklich nur für erwachsene Augen alle gleich aus – bedenke, dass es womöglich weder Jim Morrisons Grab noch der Eiffelturm sein wird, der in Erinnerung bleibt. Wir erinnern uns zum Beispiel daran, dass ein Schuh verloren ging, welchen wir zwei Stunden gesucht haben. Bei den schönen Windspielen. Nachdem wir Pommes gegessen haben. Am Eiffelturm. Und an den Mann, der mich fast die Treppen von der Seine, die am Eiffelturm zum Bateau Bus führen, mitsamt dem Kinderwagen hochgetragen hatte, weil ich kein Französisch verstand. Und er doch unseren Schuh gefunden und abgegeben hatte. Wenn heute jemand Paris erwähnt, sagt das Kind: “Da habe ich meinen Schuh verloren, am Apfelturm. Bei den Windrädern.” Sei Dir also sicher – Ihr werdet die Wahrzeichen finden, aber auf Eure ganz eigene Art. Und die braucht ein wenig Zeit.

Grundsätzlich gilt: Wer im Alltag die doppelte Leistung erbringt, der braucht auch doppelt so viel Erholung. Außerdem wirst Du auch doppelt so viel sehen und erleben, wie auf Deinen Trips ohne Kind. Versprochen. Denn das wertvollste, was Du Deinem Kind schenken kannst, ist immer Deine Zeit. Lieber lässt Du eine Sehenswürdigkeit aus und baust dafür die größte und schönste Sandburg, die die Welt, also Dein Kind und Du, jemals gesehen hat. Davon werdet ihr reden, jahrelang. Berücksichtige das, bei Deiner Planung, denn sonst wirst Du noch gestresster und fertiger zurück kommen, als Du vor dem Urlaub warst. Ja, ich spreche aus Erfahrung.  Außerdem soll ein Urlaub ja eine Abwechslung vom Alltag sein und Zeitdruck haben wir im Alltag wirklich schon genug.   

Du bist noch unsicher, ob Du wirklich alleine mit Deinem Kind verreisen solltest? Lass Dich hier von mir überzeugen! 

 

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